34. Jahrestage des Pogroms in Lichtenhagen: Veranstaltungen in Rostock

Anlässlich der 34. Jahrestage des Pogroms in Rostock-Lichtenhagen finden in Rostock Vorträge, Filmvorführungen, Diskussionen sowie Dialogveranstaltungen statt. Einen Überblick finden Sie an dieser Stelle, mehr Informationen auf den Seiten der Veranstalter*innen.

Mittwoch, 19. August 2026

Doku und Gespräch: „Kapitulation am Ostseestrand“. Staatliches Versagen im Umgang mit rechter Gewalt nach dem Pogrom

19:30 Uhr, Café Median (Niklot Str. 5/6, 18057 Rostock)

Angela Merkel lobt die Arbeit im rechten Rostocker Jugendclub MAX, Greifswalder Neonazis drucken mit Jugendamtsgeldern Propagandaplakate und die Beamten der MAEX halten Neonazis ihr Bier. Die 90er und 2000er in MV sind geprägt von Entpolitisierung rechter Gewalt, akzeptierender Jugendarbeit und mangelnder Verantwortungsübernahme, nicht erst beim NSU. Wir schauen Filmausschnitte, lustig und tragisch, und tauschen uns aus zu staatlichem Versagen im Umgang mit rechter Gewalt nach dem Pogrom von Lichtenhagen.

Veranstalter*innen: AWiRo e.V.


Donnerstag, 20. August 2026

Film & Gespräch: „Tot in Lübeck“ – mit der Initiative Hafenstraße’96

19 Uhr, Peter-Weiss-Haus (Doberaner Straße 21, 18057 Rostock)

In der Nacht des 18. Januar 1996 brannte das Asylbewerberheim in der Hafenstraße 52 in Lübeck. 10 Menschen starben, 38 wurden zum Teil schwer verletzt. Noch in der Tatnacht wurden vier Neonazis aus Grevesmühlen festgenommen, einer von ihnen war nach eigener Aussage am Pogrom von Lichtenhagen beteiligt. Sie waren zum Zeitpunkt des Lübecker Brandes in der Nähe des Hauses.

Wir zeigen den Film „Tot in Lübeck“ (2003). Der Film von Lottie Marsau und Katharina Geinitz dokumentiert die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach der bis heute juristisch nicht aufgeklärten Tat. Sie lassen in ihrer Dokumentation ausführlich den Staatsanwalt und Safwan Eids Verteidigerin zu Wort kommen.

Anschließend berichten Vertreter der Initiative Hafenstraße `96 davon wie die Überlebenden und Angehörigen mit dieser Last umgehen, welche Chancen auf Aufklärung sie sehen, wie das Gedenken in die Stadtgesellschaft hineinwirkt und was wir in MV tun können.

Veranstalter*innen: Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“


Freitag, 21. August 2026

Stadtrundgang für Jugendliche zum Aktionstag „Reclaim your streets“

17 Uhr, Kröpeliner Tor

Vor 33 Jahren griff in Rostock-Lichtenhagen eine rassistische Menschenmenge vor den Augen der Polizei über mehrere Tage das Wohnheim von ehemaligen vietnamesischen Vertragsarbeiterinnen und die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende an, in der viele rumänische Romnja untergebracht waren.

Anhand der Stele „Gesellschaft“ aus dem dezentralen Denkmal „Gestern Heute Morgen“ der Künstlergruppe Schaum gehen wir auf Spurensuche: Was ist damals passiert? Wie haben die Betroffenen die Angriffe erlebt? Und wie ging es für sie danach weiter?

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Gegenprotest: Jugendliche aus dem JAZ stellten sich damals mutig gegen die Gewalt. Sie organisierten Demonstrationen, boten Schutz und Solidarität und zeigten, dass es auch anders geht: Miteinander statt gegeneinander. Ihre Aktionen sind ein starkes Beispiel dafür, wie junge Menschen Position beziehen und Veränderung anstoßen können.

Komm mit auf diese Spurensuche – und entdecke, was wir aus der Geschichte für heute lernen können.

Veranstalter*innen: Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“


Samstag, 22. August 2026

Öffentlicher Stadtrundgang zum Pogrom in Rostock-Lichtenhagen mit Fokus auf betroffene rumänische Ron*nja

14 Uhr, Gedenkort „Selbstjustiz“ (Mecklenburger Allee 19, 18109 Rostock)

Vor 33 Jahren griff in Rostock-Lichtenhagen eine rassistische Menschenmenge vor den Augen der Polizei über mehrere Tage das Wohnheim von ehemaligen vietnamesischen Vertragsarbeiterinnen und die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende an, in der viele rumänische Romnja untergebracht waren.

Die Perspektiven der betroffenen Romnja auf das rassistische Pogrom in Rostock-Lichtenhagen 1992 waren lange Zeit ungehört. Erst in den letzten Jahren bekamen ihre Stimmen durch Veranstaltungen und Interviews mehr Sichtbarkeit. Ihre Erzählungen werfen völlig neue Perspektiven auf das Ereignis auf und auch viele neue Fragen. Anhand des dezentralen Denkmals „Gestern Heute Morgen“ der Künstlergruppe Schaum begeben wir uns auf Spurensuche. Entlang der Stelen „Empathie“, „Politik“ und „Gesellschaft“ geben wir einen Einblick, wie betroffene rumänische Romnja das Pogrom erlebten und wie es für sie nach den Angriffen weiterging. Einige flohen direkt nach dem Ereignis, andere blieben in Deutschland, waren aber weiteren Angriffen ausgesetzt.

Nach dem Pogrom setzten sich jüdische und Romnja Organisationen mit einer Protestaktion gemeinsam für das Bleiberecht der Betroffenen ein. Zusammen möchten wir diskutieren: Welche Kontinuitäten des Rassismus gegen Romnja gibt es? Wie kann ein angemessener gesellschaftlicher Umgang mit dem Ereignis aussehen?

Veranstalter*innen: Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“


Montag, 24. August bis Freitag, 04. September 2026

Ausstellung: „Lebenswege – vietnamesische Rostocker*innen erzählen“

Rathausfoyer (Neuer Markt 1a, 18055 Rostock)

Tausende Menschen aus Vietnam kamen seit den 70er Jahren auf Basis staatlicher Abkommen in die DDR, um hier zu arbeiten. Die Ausstellung „Lebenswege“ macht die Erinnerungen ehemaliger Vertragsarbeiter*innen sichtbar und bildet ein breites Spektrum an Erfahrungen ab – insbesondere auch aus der Zeit vor 1992.

Erinnerungen, Fotos und Zeitdokumente erzählen von Lebensgeschichten voller Hoffnungen, Herausforderungen und dem Ankommen in einer neuen Heimat. Sie machen deutlich, dass Migration auch die Geschichte von Rostock nachhaltig geprägt hat. Die Erfahrungen vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen sind ein wichtiger Teil der deutschen Migrationsgeschichte und bieten wertvolle Perspektiven für das Verständnis unserer postmigrantischen Gesellschaft. Gerade weil Fragen von Zugehörigkeit, Anerkennung und Teilhabe heute kontrovers diskutiert werden, lädt die Ausstellung dazu ein, vertraute Erzählungen zu hinterfragen und die Vielfalt von Migrationsgeschichten anzuerkennen. Sie eröffnet einen differenzierten Blick auf eine Community, über die bis heute viele Vorurteile und Stereotype bestehen.

Am Donnerstag, 27. August 2026, sind Mitwirkende des Vereins Diên Hông e.V. sowie einige Protagonist*innen der Ausstellung von 17.30 bis 19.00 Uhr vor Ort und laden Interessierte ein, miteinander über die Ausstellung und die darin erzählten Geschichten ins Gespräch zu kommen.

Veranstalter*innen: Diên Hông – Gemeinsam unter einem Dach e.V.


Montag, 24. August 2026

Böll Montagskino: Vietdeutsche Geschichten: Kurzfilmabend moderiert von Hoàng Quỳnh Nguyễn

19 Uhr, LiWu in der Frieda23 (Friedrichstraße 23, 18057 Rostock)

Die rassistischen Angriffe auf das Sonnenblumenhaus in Rostock-Lichtenhagen vom 22. bis 25. August 1992 gipfelten in der Nacht zum 25. August in einem Brandanschlag: Eine wütende Meute warf Steine und Molotow-Cocktails gegen das damalige Wohnheim der vietnamesischen Vertragsarbeiter:innen.

Die DDR hatte sie im Rahmen sozialistischer Abkommen gezielt angeworben. In den Westen der Bundesrepublik kamen hingegen die sogenannten „Boat People“. Heute leben 215.000 Menschen vietnamesischer Herkunft in Deutschland. Ihre Migrationsgeschichte ist eng mit den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts verknüpft und prägt bis heute die Lebensrealitäten der vietnamesischen Community. Besonders die zweite Generation steht oft zwischen den Kulturen: In Deutschland als fremd wahrgenommen, im Elternhaus als zu deutsch.

Wir zeigen mit den Kurzfilmen „Obst und Gemüse“ (30 min), „Alles gehört zu dir“ (13 min), „Wohnen auf Zeit“ (8 min) und „Für immer“ (7 min) ganz persönliche Perspektiven junger Deutsch-Vietnames:innen, die Einblicke in eine Community geben, die sich längst als Teil der deutschen Gesellschaft versteht, ohne dabei ihre Herkunft zu vergessen. Sie erzählen von Migrationserfahrungen, Identität, über das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen, von familiären Erwartungen und Alltagsrassismus.

Veranstalter*innen: Diên Hông – Gemeinsam unter einem Dach e.V., Heinrich-Böll-Stiftung MV


Mittwoch, 26. August 2026

Vortrag und Diskussion: Landtagswahl – Demokratie – Erinnerungskultur mit Dr. Jan Müller (Uni Rostock)

17:30 Uhr 18:30 Uhr, Rathausfoyer (Neuer Markt 1a, 18055 Rostock)

Die Landtagswahl 2026 könnte eine Zäsur für Mecklenburg-Vorpommern bedeuten. Laut Umfragen könnten etablierte Koalitionsmodelle nicht für eine Mehrheitsfindung reichen. Gleichzeitig liegt die Rechtsaußenpartei AfD in den Umfragen vorne. Demokratie und Zivilgesellschaft stehen unter Druck. Doch welche Angebote haben die politischen Parteien hier? Welche Formen von Demokratie bevorzugen sie? Wie wollen sie die Demokratie schützen?

Zu diesen Themen gibt uns Dr. Jan Müller (Universität Rostock) einen kurzen Input. Gleichzeitig betrachten wir die Aussagen der Parteien zur Erinnerungskultur. Denn auch die Vergangenheit ist umstritten. Arbeiten an der Vergangenheit bedeutet gleichzeitig auch immer Arbeiten an der Zukunft.
Danach gibt es viel Raum für Ihre Fragen, Erfahrungen und Diskussionen. Vorkenntnisse sind nicht notwendig – alle sind herzlich eingeladen zuzuhören, mitzudenken und miteinander zu diskutieren.

Ab 17:30 Uhr haben alle Interessierten bereits die Möglichkeit, die Ausstellung „Lebenswege – vietnamesische Rostocker*innen erzählen“ anzuschauen sowie darüber mit uns ins Gespräch zu kommen. Mehr Informationen finden Sie hier: https://www.dienhong.de/2026/08/04/ausstellung-lebenswege-im-rathaus/

Veranstalter*innen: Diên Hông – Gemeinsam unter einem Dach e.V.


Donnerstag, 27. August 2026

Offenes Gespräch zur Ausstellung „Lebenswege – vietnamesische Rostocker*innen erzählen“

17:30 Uhr, Rathausfoyer (Neuer Markt 1a, 18055 Rostock)

Tausende Menschen aus Vietnam kamen seit den 70er Jahren auf Basis staatlicher Abkommen in die DDR, um hier zu arbeiten. Die Ausstellung „Lebenswege“ macht die Erinnerungen ehemaliger Vertragsarbeiter*innen sichtbar und bildet ein breites Spektrum an Erfahrungen ab – insbesondere auch aus der Zeit vor 1992.

Erinnerungen, Fotos und Zeitdokumente erzählen von Lebensgeschichten voller Hoffnungen, Herausforderungen und dem Ankommen in einer neuen Heimat. Sie machen deutlich, dass Migration auch die Geschichte von Rostock nachhaltig geprägt hat. Die Erfahrungen vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen sind ein wichtiger Teil der deutschen Migrationsgeschichte und bieten wertvolle Perspektiven für das Verständnis unserer postmigrantischen Gesellschaft. Gerade weil Fragen von Zugehörigkeit, Anerkennung und Teilhabe heute kontrovers diskutiert werden, lädt die Ausstellung dazu ein, vertraute Erzählungen zu hinterfragen und die Vielfalt von Migrationsgeschichten anzuerkennen. Sie eröffnet einen differenzierten Blick auf eine Community, über die bis heute viele Vorurteile und Stereotype bestehen.

Am Donnerstag, 27. August 2026, sind Mitwirkende des Vereins Diên Hông e.V. sowie einige Protagonist*innen der Ausstellung von 17.30 bis 19.00 Uhr vor Ort und laden Interessierte ein, miteinander über die Ausstellung und die darin erzählten Geschichten ins Gespräch zu kommen.

Veranstalter*innen: Diên Hông – Gemeinsam unter einem Dach e.V.


Montag, 31. August 2026

Öffentliche Probe: Chor für Vielfalt

18-20 Uhr, Gedenkort „Empathie“ (Doberaner Platz, 18057 Rostock)

Anlässlich des Gedenkens an das Pogrom von Rostock Lichtenhagen 1992 möchten wir gemeinsam ein Zeichen für (mehr) Empathie setzen – für Mitgefühl, Verständnis und die Bereitschaft, sich in die Perspektive anderer Menschen hineinzuversetzen.  Wir wollen gemeinsam erinnern und miteinander ins Gespräch kommen. Weil eine empathische Gesellschaft widerstandsfähiger, innovativer und lebenswerter ist.

Diên Hông e.V. lädt ein, am 31. August ab 17:30 Uhr auf dem Doberaner Platz in Rostock an der Gedenkstele „Empathie“ zusammenzukommen. Gemeinsam mit dem Chor für Vielfalt entsteht ein offener Begegnungsraum mit Musik, Bewegung und Gesprächen. 

Ergänzende Impulse zum Thema laden dazu ein, über Empathie nachzudenken, miteinander ins Gespräch zu kommen und unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen. So erweitern wir unsere Sicht und begegnen uns, statt uns spalten zu lassen.

Die Veranstaltung richtet sich an alle Menschen, die sich beteiligen, erinnern und ein Zeichen für ein respektvolles und solidarisches Miteinander setzen möchten.

Veranstalter*innen: Diên Hông – Gemeinsam unter einem Dach e.V.


Donnerstag, 10. September 2026

Werkstattbericht: Rohmaterial der Erinnerung mit Spectacle Archive (London)

19 Uhr, Peter-Weiss-Haus (Doberaner Straße 21, 18057 Rostock)


Projekt „Rohmaterial der Erinnerung“ des Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“ wird gefördert mit Mitteln der „Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur“.

Veranstalter*innen: Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“